Ernst Wilhelm Nay

Die sogenannten „Hekate-Bilder“ von E.W. Nay bilden eine entscheidende
Werkgruppe, zwischen 1945 bis 1948. Sie markieren den Übergang von einer noch
erkennbaren gegenständlichen Malerei zu einer zunehmend abstrakten Bildsprache.


Nay erfindet die Figur „Tochter der Hekate“, die es in der Mythologie eigentlich nicht
gibt. Dies zeigt, dass diese Bilder nicht als Illustration verstanden werden sollten,
vielmehr benutzt er sie zu einer symbolischen oder metaphorischen Sprache. Hekate
selbst ist eine mit Magie, Nacht und Übergängen verbundene Göttin und gerade
diese Mehrdeutigkeit des Übergangs passt sehr gut zu Nays Situation um 1945.
Sein Berliner Atelier wurde im Krieg zerstört. Im Mai 1945 zog er sich nach Hofheim
im Taunus zurück und es begann die neue Schaffensphase.
Faszinierend ist wie Nay beginnt, die Gegenstände in elementare Formen zu
zerlegen: Diese Elemente bilden keine naturalistisch dargestellte Figur mehr, sie
konstruieren eine neue Bildfigur und zeigen, wie Nay die Figuren in abstrakte
Flächensysteme überführt.


Dies ist ein sehr wichtiger Punkt: Nay abstrahiert nicht einfach einen Gegenstand
indem er ihn immer stärker vereinfacht. Er benutzt die Gegenstände als
Ausgangspunkt für eine autonome Bildsprache.
Die Gestalt ist nicht mehr eindeutig das, was sie zu sein scheint. Sie kann sich ich
etwas anderes verwandeln.


Nays Farbgebung beschreibt nicht mehr einfach einen Gegenstand. Sie ist selbst ein
bildnerisches Ereignis. 1955 beschreibt dies Nay in seiner Schrift „Vom Gestaltwert
der Farbe“, in der er die autonome Bedeutung der Farbe für seine Kunst formuliert.
Die Hekate-Bilder sind also gewissermaßen ein frühes Labor für diese Idee.
Nay bedient sich des Mythos als Vokabular – das eigentliche Thema aber ist die
Verwandlung der Bildform selbst.


Im „Städel“ befinden sich 2 Vorzeichnungen zum Bild „Nächtliche Tragödie 1945“
WV-C 45-046:
WV-C 45-048 – Nächtliche Tragödie 1945
WV-C 45-047 – Nächtliche Tragödie 1945

Nächtliche Tragödie

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